Die rurale Landschaft

Das, was man in dem Teil des Parks, der sich sanft zu der Adriatica-Staatsstraße abneigt, die seine Grenze darstellt, hauptsächlich spürt, ist das Gefühl der Harmonie aller Teile, eine Art vitale Verstrickung zwischen dem bebauten Land, seien es Weinhügel, Olivenhaine oder Saatland, den verlassenen Feldern, die nach und nach wieder ihr natürliches Aussehen angenommen haben, den Reihen aus großen Bäumen, den Büschen. Es fällt der große Privatpark der Villa Imperiale ins Auge, mit Pflanzen, die bis zu hundert Jahre alt sind, auch wenn ein Grossteil von ihnen sicherlich vom Menschen angepflanzt wurde.
Da das betroffene Gebiet schon seit dem Neolithikum bewohnt ist, und der Mensch ein mächtiger und ständiger Stör- und Veränderungsfaktor ist, haben die ursprünglichen Waldformationen und auch die Pionierformationen der Strände und Steilküsten drastische Variationen erfahren. Wir können daher heute nur auf das Bezug nehmen, was von den antiken Formationen übriggeblieben ist und auf das, was der Mensch im Lauf der Jahrhunderte eingeführt und beeinflusst hat

Es kommen einige Elemente einer mediterranen Vegetation vor, die jedoch unter dem sub-kontinentalen Charakter des Klimas und auch unter dem Einfluss der Nordwinde, der Tramontana, und der örtlich “Bora” genannten Winde aus Nord-Nord-Osten leidet. Wenn wir auch die Art des Substrats berücksichtigen, kann man verstehen, dass die Vorraussetzungen zur Entwicklung einer mediterranen, auch sehr verarmten Macchia fehlen, die im Gegenteil in weitaus größerem Ausmaß auf dem Kalkmassiven des Hinterlandes vorhanden ist. Diese Betrachtungen lassen viele Autoren zu dem Rückschluss kommen, das Vorkommen der Steineiche (Quercus ilex) sei auf anthropische Ursprünge zurückzuführen und stehe fast hundertprozentig in Verbindung mit der Entwicklung der Renaissancevillen. Man findet die gleichen Assoziationen, wie in den interneren Hügeln in der Umgebung Pesaros: Mischwälder aus Stieleichen und hagenbuchenblättrigen Hopfenbuchen (Ostrya carpinifolia), wo die Zerreiche (Quercus cerris) immer sehr rar ist und die Flaumeiche (Quercus pubescens) zusammen mit Manna-Esche (Fraxinus ornus), Feldahorn (Acer campestre), Feldulme (Ulmus minor) weitverbreiterter ist. Es werden typische Eigenschaften der mesophilen Eichenwälder deutlich. Der in gewisser Weise “mediterrane” Charakter einiger Formationen ist wahrscheinlich reliktenhaft und auf das Vorkommen der „Phyllirea media", des immergrünen Kreuzdorns (Rhamnus alaternus), des Lorbeerbaums (Laurus nobilis), des italienischen Sarsaparille (Smilax aspera) und der S.Giovanni-Rose (Rosa sempervirens) zurückzuführen.
Das Vorkommen einiger Nadelbaumarten erklärt sich durch die historischen Anlagen in Verbindung mit den Renaissancevillen: Kiefer (Pinus pinea), Strandkiefer (Pinus pineaster), Zypressen (Cupressus sempervirens und C. Lusitanica). Wahrscheinlich ist das Vorhandensein der Steineiche (Quercus ilex) und des Schneeballs (Viburnum tinus) auf denselben Grund zurückzuführen. Die nachfolgenden Aufforstungen in den 60er Jahren haben die Flora des Parks mit dem Berg-Ahorn, (Acer pseudoplatanus), der Aleppo-Kiefer, der Schwarzkiefer (Pinus nigra), der Flatterulme (Ulmus Laevis) und anderen allochtonen Arten bereichert.
Im übrigen ist die vegetative Landschaft jene, die für ein Agrikultur-Ambiente typisch ist, das bis in die 50er Jahre intensiv bebaut wurde. Die Baumarten sind von Oliven-, Feigen- und Kirschbäumen, Maulbeerbäumen, angepflanzten Ebereschen und Mandelbäumen vertreten, durchsetzt mit Baumreihen und isolierten großen Flaumeichen-Exemplaren, die sich mit langen Tamarisken- (Tamarix cfr. africana) und Stechdornsträuchern (Paliurus spinachristi) abwechseln.
Dort, wo die Felder nicht mehr bebaut werden findet man eine Vegetation, die anfänglich aus Dittrichia viscosa, Rubus ulmifolius und caesius, Clematis vitalba besteht. Eine Situation, die sich in vielen Fällen als stabil erweist, oder auf jeden Fall eine sehr langsame Evolution aufweist, da sich in einigen Abschnitten auch weitläufige mit Binsenginster bewachsene Gelände ausbilden können. Das historische Vorkommen der Scheinakazie (Robinia pseudoacacia), die vor Jahrhunderten vom Menschen eingeführt wurde, tritt leider oft zusammen mit einer anderen ungewünschten Pflanze, dem Ailanthusbaum (Ailanthus altissima), in dieser Vegetationsphase der Post-Bebauung auf.
Fast überall vorhanden sind Arten von höherem ökologischen Wert, wie die Bluthirse (Cornus sanguinea), der eingrifflige Weißdorn (Crataegus monogyna), der Schwarzdorn (Prunus spinosa). In frischeren und schattigeren Lagen findet man Haselnuss (Corylus avellana), strauchige Kronwicke (Coronilla emerus), stechenden Mäusedorn (Ruscus aculeatus). Insgesamt weist das Aussehen des internen Abschnitts des Parks also sehr suggestive und harmonische Eigenschaften auf, besonders wo eine lange Hecke den Rand der bebauten Felder säumt, die bis an die Grenzen der Steilküste vordringen.

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