Flora

Entgegen den Erwartungen, nach denen man sich ein durch menschliche Einwirkungen sehr wenig beeinflusstes Gebiet vorstellt, bietet die Flora des Parks San Bartolo seinen Besuchern wertvolle Augenblicke und anmutige Emotionen. Eine kürzlich erstellte Studie über die „Gefäßflora“ des Naturschutzgebietes hat gezeigt, dass seltene Pflanzenarten in der gesamten Region anzutreffen sind. An der Steilküste, die sich bis heute an vielen Stellen durch eine intakte Natur auszeichnet, findet man besonders interessante Spezies. Beispielsweise trifft man im Bereich oberhalb der „Flaminia-Bucht“ eine äußerst seltene, unter dem Namen Seeflachs bekannte Pflanze an, die als einzigartig in der gesamten Region angesehen werden kann. Gleichermaßen bedeutsam sind das Binsengras (Juncus subnodulosus) und die Klippen-Mohrrübe (Daucus giungidum), denen man sonst nur noch an wenigen anderen Stellen der Marken-Küste begegnet. Unter den Pionierpflanzen an der Steilküste ist in erster Linie das Plinius-Schilfrohr (Arundo plinii) zu nennen, während an wasserärmeren und festeren Stellen der wohlriechende Ginster (Spartium junceum) wächst, der in der Blütezeit unvergessliche und farbenfrohe Gelbkontraste zwischen dem Blau des Himmels und dem Grün des Meers schenkt.

Wo die Küste weniger steil abfällt und sich eine bestimmte Menge organischen Gerölls ansammelt, kann man den Krapp (Rubia peregrina), die etruskische Heckenkirsche (Lonicera etrusca) und junge Pflanzen der Aleppo-Pinie (Pinus halepensis) antreffen, die mit Sicherheit auf den willkürlichen Samenflug aufgeforsteter Pinienwaldbestände zurückzuführen sind. In den Talwegen, die auch während der trockenen Sommermonate mehr Feuchtigkeit halten, wachsen Weißpappeln, Schwarzpappeln und mitunter Silberweiden. An einigen Stellen findet man auch das Pfahlrohr Arundo donax.
In der ruraler Landschaft es kommen einige Elemente einer mediterranen Vegetation vor, die jedoch unter dem sub-kontinentalen Charakter des Klimas und auch unter dem Einfluss der Nordwinde, der Tramontana, und der örtlich “Bora” genannten Winde aus Nord-Nord-Osten leidet. Wenn wir auch die Art des Substrats berücksichtigen, kann man verstehen, dass die Vorraussetzungen zur Entwicklung einer mediterranen, auch sehr verarmten Macchia fehlen, die im Gegenteil in weitaus größerem Ausmaß auf dem Kalkmassiven des Hinterlandes vorhanden ist. Diese Betrachtungen lassen viele Autoren zu dem Rückschluss kommen, das Vorkommen der Steineiche (Quercus ilex) sei auf anthropische Ursprünge zurückzuführen und stehe fast hundertprozentig in Verbindung mit der Entwicklung der Renaissancevillen. Man findet die gleichen Assoziationen, wie in den interneren Hügeln in der Umgebung Pesaros: Mischwälder aus Stieleichen und hagenbuchenblättrigen Hopfenbuchen (Ostrya carpinifolia), wo die Zerreiche (Quercus cerris) immer sehr rar ist und die Flaumeiche (Quercus pubescens) zusammen mit Manna-Esche (Fraxinus ornus), Feldahorn (Acer campestre), Feldulme (Ulmus minor) weitverbreiterter ist. Es werden typische Eigenschaften der mesophilen Eichenwälder deutlich.

Der in gewisser Weise “mediterrane” Charakter einiger Formationen ist wahrscheinlich reliktenhaft und auf das Vorkommen der „Phyllirea media", des immergrünen Kreuzdorns (Rhamnus alaternus), des Lorbeerbaums (Laurus nobilis), des italienischen Sarsaparille (Smilax aspera) und der S.Giovanni-Rose (Rosa sempervirens) zurückzuführen.
Das Vorkommen einiger Nadelbaumarten erklärt sich durch die historischen Anlagen in Verbindung mit den Renaissancevillen: Kiefer (Pinus pinea), Strandkiefer (Pinus pineaster), Zypressen (Cupressus sempervirens und C. Lusitanica). Wahrscheinlich ist das Vorhandensein der Steineiche (Quercus ilex) und des Schneeballs (Viburnum tinus) auf denselben Grund zurückzuführen. Die nachfolgenden Aufforstungen in den 60er Jahren haben die Flora des Parks mit dem Berg-Ahorn, (Acer pseudoplatanus), der Aleppo-Kiefer, der Schwarzkiefer (Pinus nigra), der Flatterulme (Ulmus Laevis) und anderen allochtonen Arten bereichert.

Im übrigen ist die vegetative Landschaft jene, die für ein Agrikultur-Ambiente typisch ist, das bis in die 50er Jahre intensiv bebaut wurde. Die Baumarten sind von Oliven-, Feigen- und Kirschbäumen, Maulbeerbäumen, angepflanzten Ebereschen und Mandelbäumen vertreten, durchsetzt mit Baumreihen und isolierten großen Flaumeichen-Exemplaren, die sich mit langen Tamarisken- (Tamarix cfr. africana) und Stechdornsträuchern (Paliurus spinachristi) abwechseln.
Dort, wo die Felder nicht mehr bebaut werden findet man eine Vegetation, die anfänglich aus Dittrichia viscosa, Rubus ulmifolius und caesius, Clematis vitalba besteht. Eine Situation, die sich in vielen Fällen als stabil erweist, oder auf jeden Fall eine sehr langsame Evolution aufweist, da sich in einigen Abschnitten auch weitläufige mit Binsenginster bewachsene Gelände ausbilden können. Das historische Vorkommen der Scheinakazie (Robinia pseudoacacia), die vor Jahrhunderten vom Menschen eingeführt wurde, tritt leider oft zusammen mit einer anderen ungewünschten Pflanze, dem Ailanthusbaum (Ailanthus altissima), in dieser Vegetationsphase der Post-Bebauung auf.
Fast überall vorhanden sind Arten von höherem ökologischen Wert, wie die Bluthirse (Cornus sanguinea), der eingrifflige Weißdorn (Crataegus monogyna), der Schwarzdorn (Prunus spinosa). In frischeren und schattigeren Lagen findet man Haselnuss (Corylus avellana), strauchige Kronwicke (Coronilla emerus), stechenden Mäusedorn (Ruscus aculeatus). Insgesamt weist das Aussehen des internen Abschnitts des Parks also sehr suggestive und harmonische Eigenschaften auf, besonders wo eine lange Hecke den Rand der bebauten Felder säumt, die bis an die Grenzen der Steilküste vordringen.
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