Gabicce Monte

Die Geschichte der Ursprünge dieser Festung ist eng an die geschichtlichen Ereignisse gebunden, die bereits für die zwei anderen Festungen des <Focara-Lands> erwähnt wurden, wobei der Epilog weniger positiv ausfällt, da der Großteil der Mauerreste durch die starke touristische Entwicklung in den letzten Jahrzehnten verloren ging. Eine Idee der Festung von Gabicce, wie sie in den letzten Jahrhunderten ausgesehen haben mag, vermitteln die anmutenden Aquarelle von Francesco Mingucci und del Liverani mit der getreuen Darstellung jeweils aus dem 17. und dem 19. Jahrhundert.

Mit Ausnahme der Kirche des heiligen Hermes findet man heute wenig Spuren der Festung, wenngleich bis zum letzten Weltkrieg noch einige Reste der Mauern, das Tor mit einem kleinen Glockenturm und ein antiker Ortskern mit engen, geschwungenen Gassen zu sehen waren, die einen bescheidenen Schutz gegen die unerbittlichen Bora-Winde boten.

Ursprünge und Geschichte
Die Festung erhielt den eigenen Namen wahrscheinlich durch die Familie, die dort vor einigen Jahrhunderten <residierte>. Der ursprüngliche Ortsname lautete Castrum Ligabitij, d.h. Festung Ligabizio oder der Ligabizzi, der sich anschließend in Ligabicci, Le Gabicce und letztendlich Gabicce umwandelte. Nach einer anderen Vermutung könnte Ligabitius der Name sein, der für die Ziegenbockhirten „Legabecchi“ verwendet wurde; gemäß der Legende heißt es, dass in der Vergangenheit eine beachtliche Population von Ziegenböcken auf den Hügeln des San Bartolo zu verzeichnen war, die dort ihr ideales Habitat vorfanden.Die ersten Zeugnisse in den antiken Dokumenten findet man, wie auch für die anderen Festungen, in der päpstlichen Bulle aus dem Jahr 998, mit der Gregor V. dem Erzbischof von Ravenna die Zuständigkeit für die Festung übertrug. Bis zum 13. Jahrhundert blieb sie unter der Oberherrschaft der Kirche von Ravenna, jedoch 1271 entschied man sich zu einer untertänigen Allianz mit der Gemeinde Rimini, um sich gegen die wiederholten gewalttätigen Übergriffe vonseiten der Gemeinde Pesaro zu schützen, die aufgrund der strategischen Position stets versuchte, sich die Festung einzuverleiben. Nach den in den Schriften des Gelehrten Olivieri aus Pesaro festgehaltenen Überlieferungen dieser Jahrhunderte hatte es tatsächlich den Anschein, dass die Einwohner der Festung Gabicce Monte <der blutigen Auseinandersetzungen mit beträchtlichen Schäden an Mensch und Gut überdrüssig war> und deshalb mit anderen tapferen Gemeinden des Focara-Lands einen Pakt schloss, um die Festung in Cattolica unter der Herrschaft von Rimini zu errichten und sich somit gegen die Vergeltungen aus Pesaro zu schützen. Nachfolgend kehrte die Festung Gabicce Monte wieder für einige Zeit unter die rechtliche Vorherrschaft der Kirche von Ravenna, um anschließend von den Geschlechtern der Malatesta, der Sforza und der Montefeltro besetzt zu werden und letztendlich in die Hände des Geschlechts Della Rovere zu fallen, das sie 1625 Ottavio Mamiani zu Lehen gab. Kurz darauf, d.h. im Jahr 1631, fiel Gabicce, wie auch der Rest des Herzogtums von Pesaro und Urbino, unter die Vorherrschaft des Vatikans. Im Anschluss an diese Situation war ein langsamer und unabwendbarer Verfall zu verzeichnen, der sich erst im 20. Jahrhundert mit der Entwicklung des modernen Tourismus wieder umkehrte.

Die Kirche des heiligen Hermes
Das einzige, heute noch bestehende Erbe der jahrhundertelangen Geschichte der Festung ist die Kirche des heiligen Hermes, die in der gleichen Zeit der Festung errichtet wurde. Die ersten Spuren der Existenz dieses Gotteshauses sind in einem vom Erzbistum Ravenna konservierten Dokument vom 3. September 909 zu finden, in dem Folgendes steht: <…die Gräfin Ingelrada…gewährt…das Kloster S. Ermete>. Im Verlauf der Jahrhunderte erfuhr die Kirche zahlreiche Umgestaltungen, bis sie 1700 fast vollständig rekonstruiert wurde. Ursprünglich war die Struktur wahrscheinlich der byzantinischen Architektur zuzuordnen, die in der zweiten Hälfte des 16. Jahrhunderts in Ravenna vorherrschend war. Daraufhin erfolgten entsprechende Umgestaltungen zum romanischen und schließlich zum Renaissance-Stil in den Jahren um 1570, die sich allgemein durch enorme Neustrukturierungen der kirchlichen Gebäude auszeichneten. Wie bereits erwähnt, wurde die Kirche des heiligen Hermes aufgrund des beträchtlichen Alters der Mauern ab 1782 von Grund auf rekonstruiert, und im neuen Gebäude wurde – mit Ausnahme der verzierenden Bildtafeln der Altare – die gesamte Einrichtung erneuert, die jedoch zum Großteil im Jahr 1860 wieder verloren ging, als die staatlichen Eigentümer vom Vatikan zum Königreich Italien wechselten. Nach dem zweiten Weltkrieg, d.h. 1952, erfolgte eine weitere Neustrukturierung der Kirche, bei der der Stil des 18. Jahrhunderts wiederhergestellt wurde (bis heute unverändert). Einfach und ohne besondere Dekorationen präsentiert sich die Kirche mit einer schlicht gehaltenen Fassade, an der sich das Haupteingangstor und der Glockenturm mit gedrungener und quadratischer Struktur befinden. Zur Inneneinrichtung der Kirche zählen wertvolle Gegenstände und Kunstwerke, u. a. Kerzenständer und Reliquienschreine, an denen die vorher reichere Ausstattung bemessen werden kann, welche durch zahlreiche Plünderungen erheblich dezimiert wurde. Besondere Aufmerksamkeit sollte dem Fresko der regionaltypischen Schule (Marken) Ende des 14. und Anfang des 15. Jahrhunderts, in denen die stillende Madonna dargestellt ist, und der Leinwand mit der Kreuzigung Christi eines unbekannten Künstlers aus der ersten Hälfte des 15. Jahrhunderts geschenkt werden. Gleichermaßen bedeutsam ist das von einem Kunsthandwerker aus Rimini gefertigte Holzkreuz aus dem 14. Jahrhundert, das möglicherweise von einem zur Familie Tonini aus Gabicce Monte zählenden Monsignore aus Rimini in Auftrag gegeben wurde.

Das Majolika-Kunsthandwerk
Bereits im 16. Jahrhundert wurde die Festung Gabicce in ganz Italien zu einem Begriff, und zwar dank des Kunsthandwerks zwei versierter Töpfer, Girolamo und Giacomo Lanfranco, Vater und Sohn, die prachtvolle Kunstwerke aus Terrakotta mit Golddekorationen herstellten. Girolamo Lanfranco war der Nachkomme einer Familie aus Ferrara, die am Ende des 15. Jahrhunderts nach Pesaro emigrierte. Als Meister in der Kunst der Keramik stieg er durch die erstmalige Verarbeitung von Dukatengold zu internationalem Ruhm auf. Mit ihrer Werkstatt in Pesaro von 1530 bis 1590 erhielten Vater und Sohn eine offizielle Anerkennung durch ein Edikt, das vom Herzog Guidubaldo II Della Rovere im Jahr 1569 ausgegeben wurde. Die gefertigten Keramikstücke können heute in zahlreichen italienischen und ausländischen Museen bewundert werden und sind begehrte Objekte leidenschaftlicher Sammler. Im British Museum in London ist ein Teller mit der Darstellung der „Gesetzgeber Cicero und Julius Caesar“ ausgestellt, der mit dem Schriftzug des „Mastro Girolamo Lanfranco dalle Gabicce“ aus dem Jahr 1541 versehen ist.

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